Die Ich-Besetzung und die damit verbundenen Emotionen.

"Der Begriff des Selbst ist die engste und letzte Spielform der Zirkularität. Es ist die Zirkularität des Ich. Was ist, so ließe sich weiterfragen, dieses ominöse Ich? Meine Antwort: Es ist die Reflexion der Reflexion der Reflexion ad infinitum. Das Ich kann als der Eigenwert der unendlichen Reflexion über sich selbst verstanden werden. Diese Vorstellung von einer ununterbrochenen Bewegung ist von der Idee einer statisch zu denkenden Identität zu unterscheiden, von der die Psychologen so gerne reden, wenn sie bei ihren Klienten eine Identitätskrise diagnostizieren. Allerdings: Ich würde den Psychologen entgegenhalten, daß sie es sind, die diese Krise produziert haben, weil sie an so etwas wie eine Identität überhaupt glauben." Vgl. Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners, Heinz von Foerster/Bernhard Pörksen Gespräche für Skeptiker S 95.

 

Ein Versuch es anschaulich darzustellen, wie sich in am Beispiel einer Insolvenz für den betroffenen Schuldner anfühlt, wenn die Bezüge ändern.
Das Ego und Ich-Empfinden in einer gesellschaftlich bezogenen Krise grafisch dargestellt

 

Die Farben der Grafik stehen für:

blau. e. Soziale-ich, "Applaus", meine Rolle in der Gesellschaft
rot.   d. Ideologie-ich, "das Seelenbild bestätigt mich"
gelb. c. Selbstbezogenheit (Referenz Ich), Egozentik "mein Geld, Vermögen"
grün. b. erweiterte Ich-Identität, "ich habe Hunger"
erdig.a. bloßes Ich zur Steuerung des Lebens, "es fühlt sich hungrig an"

Ein Kenner der feröstlichen Betrachtungen schrieb dazu:
>die Ich-Besetzung weiter nach unten zu Glaubensannahmen einzuordnen<<
Ist das sonst zu "sanft" formuliert? In Pali anatta = chin. 無我 (wuwo) = es gibt überhaupt kein "Ich"...
>etam mamam eso 'ham asmi, eso me atta ti< "Ich-Existenz" ist Selbsttäuschung!

Vgl. Tsoknyi Rinpoche, HEITER UND GELASSEN IN EINER RUHELOSEN WELT? S 85
"Die fünf Arten des Ich
Die Lehre vom Nicht-Selbst zu verstehen ist eine Gratwanderung. Traditionell werden im tibetischen Buddhismus vier Formen des Ich gelehrt:
1) Die erste ist ein bloßer Indikator, ein Hinweis auf die eigene Person als Erlebende. Bezeichnen wir es als das „Bloße Ich" (Tib. dag-tsam). Das ist ein genereller Referenzpunkt für den Erlebenden und Erkennenden in uns. Es ist zunächst eine neutrale Form des Selbstbezugs, die mit unserem Namen in Verbindung gebracht wird und sich im Alltag kenntlich ausdrückt: „ich esse", „ich gehe" — ein funktioneller Selbstbezug, der auf den verkörperten Menschen verweist, der wir sind.
2) Wir haben die Neigung entwickelt, durch fortlaufende Selbstbestätigung unsere funktionale bloße Ich-Wahrnehmung zu einer konkreten Ich-Identität zu verfestigen. Diese Haltung auf unsere eigene Person stützt ein solides und selbständiges Selbstbild, das sich in Bezug zu allem• anderen distink­tiv absetzt. Im Modell der vier Ich-Arten wird dies „Ich-Anhaftung" (tib. dag-dendzin) genannt. Diese von uns selbst reifizierte Ich-Besetzung will uns glauben machen, dass unser Ich und unsere Wahrnehmungswelt tatsächlich so stofflich und real sind, wie wir es empfinden.
3) Solch verfestigte Selbstauffassung kann zu einer vorrangigen „Selbstbezogenheit" (tib. dag-chendzin) führen. Selbstorientiert und von sich selbst eingenommen neigt diese Ich-Prägung dazu, sich notorisch selbst zu erhöhen. Dazu gehören Egozentrik, überhöhter Aufmerksamkeitsanspruch, und selbstverliebte Züge. Als Kehrseite der Medaille aber auch narzisstische Empfindlichkeit und die Tendenz, sich oft Unrecht und Benachteiligung ausgesetzt zu fühlen. Dieser Typus beklagt gerne die widrigen Umstände, die ausgerechnet immer nur ihm widerfahren.
4) Die vierte Form des Ich zielt auf ein Selbstbild im philosophisch-religiösen Sinne. Sie beruht auf der Ideologie eines einzelnen, beständigen und unvergänglichen Wesens. Im christlichen Westen würden wir vielleicht Seele dazu sagen. Der Buddhismus lehnt dieses Verständnis eines aus sich selbst heraus existierenden, unsterblichen und ewigen Ur-Selbst als nicht verifizierbar ab.
5) Um diese unterschiedlichen Formen der Ich-Besetzung zu vervollständigen, sei hier eine weitere Identitätsform hinzugefügt, die normalerweise in buddhistischen Unterweisungen keine Rolle spielt, nämlich das „Soziale Ich": Ich, der Bäcker; Ich, der Chef; Ich, die Ehefrau und Mutter; Ich, der Rockstar; Ich, der erfolgreiche Geschäftsmann. Diese Ich-Besetzung bezieht sich auf unsere Rolle im Gemeinwesen, unseren aktuellen Platz innerhalb der Gesellschaft.
Wenn wir diese verschiedenen Ich-Besetzungen zusammenzählen, kommen wir auf fünf Formen des Ich-Bezugs, die uns im Weiteren als generelles Unterscheidungsmodell dienen können.
Der Buddhismus erkennt keine der letzten vier Arten des Ich an. Sie gelten als hypothetische Kunstprodukte kognitiver und gefühlter Art. Lediglich das Bloße-Ich wird als eine einfache Ich-Identität anerkannt und — ganz wichtig —als notwendig erachtet, da wir sie brauchen, um auf der funktionalen Ebene des Alltags zu agieren. Es ist äußerst wichtig zu verstehen, dass die Auffassung, der Buddhismus lasse gar keinen Ich-Begriff zu, ein weit verbreitetes Missverständnis ist. Im Alltagsleben operieren wir in einer Subjekt-Objekt-Dualität. Um in dieser Dichotomie zu funktionieren, brauchen wir einen Subjektbezug. Es ist im Grunde nichts Widersprüchliches darin, ein Bloßes-Ich zu sein und nebenher eine erfolgreiche Geschäftsfrau oder ein Wissenschaftler."

>The Buddhist denial of "any Soul or Self" is what distinguishes Buddhism from major religions of the world such as Christianity and Hinduism, giving it uniqueness. With the doctrine of Anattā, stands or falls the entire Buddhist structure, asserts Nyanatiloka.<
>Nagarjuna (~200 CE), extensively wrote about rejecting the metaphysical entity called attā or ātman (self, soul), asserting in chapter 18 of his Mūlamadhyamakakārikā that there is no such substantial entity<

Nach einer Insolvenz und den emotionalen Erschütterungen der Ich-Gefühle (z.B. Stellung in der Gesellschaft, Scham) wird dieses Ich-Gefühl ähnlich empfunden, als würde man bei Diät die Kost reduzieren (-25%), es fühlt sich jedoch als halbiert an, die Gewohnheit der Sättigung benötigt lange Zeit der Gewöhnung.
Sowohl Maslow als auch Freud (Behaviourismus) setzten ein Ich voraus (Bedürfnispyramide, "Selbstverwirklichung", Das "Ich" und seine Abwehrmechanismen ...), fragten jedoch nicht in öffentlichen Diskussionen (ähnlich wie Albert Einstein bei der Materie fragte), wie sich das "Ich" zusammensetzt. Wer oder Was ist das "Ich", das Angst hat und sich fürchtet?

Zur Beruhigung schließen sich manche Unternehmer einer Glaubens-Organisation an, um eine kompensierende Wirkung (blau in Grafik) zu erreichen. Manche Freikirchen versprechen die Wunder vom Himmel ohne eigenes Zutun und indem sie die Schuld den Anderen zuschreiben.
Die buddhistische Lebensphilosophie versucht hingegen, die Ich-Besetzung zu begreifen und die "Natur des Geistes" zu erkennen, in dem sich alle Erscheinungen spiegeln, sowie die Ich-Besetzung weiter nach unten zu korrigieren. Nur wenige fragen sich: Was ist ein Ich, Ego, Seelenschmerz?
Das unterstützt jedoch kein Macho-Gehabe (Männlichkeitsgetue) und ist daher selten anzutreffen.

GeistigeEngeOffenheit

Viele Unternehmer mit geringer Bewusstheit tendieren jedoch in der Krise zurück zum alten Zustand oder kompensieren das Lernen durch Glaubenskonzepte mit Verifizierung in der Glaubensgemeinschaft. So wie es früher war. Den Stolz als Unternehmer wieder von der Gesellschaft bestätigt zu bekommen, die relativen Bezüge aufrecht zu halten, statt Schicksal als Lernchance zu nutzen. Diese Tabelle erklärt es anschaulich über das Defizit im Graubereich.

Die Unternehmer in niederen Bereichen der Bewusstheit fallen bei Sanierungen stets die selbstgefällige Kurzsichtigkeit, kommen dann vom Regen in die Traufe. Siehe Referenzen und Kuriositäten.

Siehe Tabelle Bewusstheits-Cluster BHC die einzelnen Cluster der Bewusstheit sind im Buch beschrieben:

"Entschuldung und Turnaround in der Unternehmenssanierung
Was man in Business Schools kaum lernt, Unternehmer jedoch wissen sollten"

Blick ins Buch